Unternehmernetzwerk Leimen Aktiv wollte seiner Vorstandskollegin Sonia Cantos Plaza zum 50. Geburtstag einen Blumenstrauß schenken und stand plötzlich vor einer Herausforderung: In Leimen gibt es kein Blumenfachgeschäft mehr. Ein alltäglicher Anlass macht deutlich, welche Lücke die jüngsten Geschäftsschließungen hinterlassen.

Nach vielen Jahrzehnten hat Blumen Schilling am 30. September 2026 seine Türen geschlossen. Andreas und Markus Schilling gehen künftig andere Wege. Bereits Ende Juni hatte Andrea Hornstein ihr Blumengeschäft in der Bürgermeister-Lingg-Straße aufgegeben. Zwei Schließungen innerhalb weniger Monate – ein herber Verlust für Leimen.

Mit Blumen Schilling verliert Unternehmernetzwerk Leimen Aktiv ein langjähriges Mitglied. Unsere Stadt verliert weit mehr: persönliche Beratung, vertraute Gesichter und eine Anlaufstelle für die kleinen und großen Anlässe des Lebens. Der Geburtstagsstrauß gehörte ebenso dazu wie der Blumenschmuck zur Hochzeit oder ein letzter Gruß zum Abschied.

Gerade durch die unmittelbare Nähe zum Friedhof war Blumen Schilling ein wichtiger Partner für Trauerfloristik. Angehörige fanden hier vor Ort Unterstützung bei der Auswahl von Kränzen, Gestecken und Blumenschmuck für die Trauerfeier. In einer emotional belastenden Zeit bot das Geschäft kurze Wege und persönliche Begleitung. Auch diese Anlaufstelle fehlt nun.

Wir danken den Menschen, die beide Geschäfte über viele Jahre geführt und geprägt haben. Zugleich stellt sich eine Frage, die weit über Blumen hinausgeht: Wie sichern und stärken wir das Geschäftsleben in Leimen?

Leimen braucht eine Wirtschaftsförderung, die handelt und etwas bewirkt.

Im Gespräch mit Blumen Schilling mussten wir mit Bedauern erfahren, dass sich nach Auskunft der Familie wegen der bevorstehenden Geschäftsaufgabe niemand von der Stadt gemeldet hatte – auch die Wirtschaftsförderung hatte demnach keinen Kontakt aufgenommen. Gerade bei einem langjährig ansässigen Fachgeschäft hätten wir einen frühzeitigen Austausch und Unterstützung bei der Suche nach einer Zukunft für den Standort erwartet.

Ob Blumenläden, Metzgereien oder andere Fachgeschäfte: Jede Schließung hinterlässt eine Lücke. Einkaufswege werden länger, Angebote fehlen und es gibt weniger Gründe, vor Ort einzukaufen. Das trifft auch die verbliebenen Betriebe. Eine lebendige Stadt braucht Geschäfte, Gastronomie und Orte, an denen Menschen einander begegnen.

Wirksame Wirtschaftsförderung beginnt deshalb beim regelmäßigen Gespräch mit den bestehenden Betrieben. Wer anstehende Geschäftsaufgaben frühzeitig kennt, kann Nachfolger suchen, Kontakte herstellen und Interessenten begleiten. Dazu gehören auch die Zusammenarbeit mit Eigentümern und die gezielte Ansprache möglicher Betreiber.

Die bisherigen Geschäftsräume von Blumen Schilling werden inzwischen online zur Vermietung angeboten. Wir hoffen, dass sich dort wieder ein Betrieb ansiedelt. Besonders schön wäre ein Blumenfachgeschäft, das die Versorgung in Leimen und die wichtige Nähe zum Friedhof aufgreift.

Eine Geschäftsübernahme hängt von vielen Entscheidungen ab. Die Stadt kann dafür Voraussetzungen verbessern, Hindernisse abbauen und Initiative zeigen. Genau das erwarten wir von einer engagierten Wirtschaftsförderung.

Welche Schritte werden unternommen, um bestehende Geschäfte zu stärken? Wie unterstützt die Stadt die Suche nach Nachfolgern? Und mit welcher Strategie gewinnt sie neue Angebote für Leimen?

Die verbliebenen Betriebe verdienen Unterstützung. Neue Unternehmer brauchen einen verlässlichen Partner. Und die Menschen in Leimen brauchen eine Stadt, in der sie auch künftig gerne einkaufen und zusammenkommen.